Luigi Snozzi und seine Bauten in Montecarasso


Luigi Snozzi engagiert sich in besonderem Maße für das Bauen im Tessin. Unbeugsam hat er sich Jahrzehntelang mit Kantonalregierungen,Kommunen,Bauträgern und Bürgern auseinandergesetzt und für eine bessere 'Architektur der Stadt' und eine bessere 'Architektur des Territoriums' gekämpft. Snozzi, ein Mann der Linken, bezeichnet sich selbst als politischen Architekten, der das Bauen als öffentliche Angelegenheit betrachtet. Sein Einsatz hat häufig erst das intellektuelle Klima geschaffen, in dem sich die befreundeten Kollegen später entfalten konnten.
Kompromißlos und unangepaßt wie seine Ansichten sind auch seine Bauten. Als Verfechter des Rationalismus verwendet er heute noch den 'béton brut' wie sein Vorbild Le Corbusier. Snozzi knüpft an die 'klassische' Moderne an, und inzwischen zu Reizworten gewordene Begriffe wie Rationalisierung und Standardisierung haben bei ihm nie an Aktualität verloren.
Ebenso wie seine charakteristischen, nahtlos in die Politik übergehenden Vorträge über Architektur gehören unverwechselbar zu ihm seine 'Wahlsprüche', die er während seiner Lehrtätigkeit an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich in den siebziger Jahren prägte und die er an seine Studenten wie Parolen weitergibt: 'Weiche deiner Verantwortung nicht aus: setz dich mit der Form auseinander. In ihr wirst du den Menschen wiederfinden', wobei es, wie er sagt, nichts zu erfinden gibt, 'alles ist wiederzufinden'.
Die Folge von Snozzis radikalen Reden ist allerdings – obwohl er als moralische Instanz nicht nur im Tessin geschätzt wird -, daß er beim Bauen kaum zum Zuge kam, zumindest selten bei öffentlichen Bauaufgaben, und somit auf Einfamilienhäuser ausweichen mußte. Oft hat er an Wettbewerben auch nur deshalb teilgenommen, um mit seiner Lösung zu 
beweisen, daß bereits die Aufgabenstellung oder die Wahl des Ortes falsch war.
Luigi Snozzi ist in erster Linie Städtebauer; Stadt bedeutet für ihn Freiheit und Vielfalt. Einzelne Projekte, sei es ein Weg, ein Haus oder ein ganzes Stadtviertel, sollten seiner Meinung nach immer im Zusammenhang des (gewachsenen) Ortes betrachtet werden. Demnach ist für ihn der wichtigste Teil im Entwurfsprozeß die 
genaue Analyse bis zur historischen Aufnahme des Ortes. Es kommt ihm in der architektonischen Komposition letztendlich auf die Interpretation der Merkmale der Topographie und der Bezugspunkte zu bereits Bestehendem an – und auf die 'Bedeutung der 
Leere':

'Bei dieser Art und Weise der Projektierung wird aber auch die Bedeutung er Leere betont, die hier zu einem wesentlichen Teil des Entwurfes wird. Die Resultate werden also weniger am Eingriff selbst als an Hand der Relation innerhalb eines Ensembles, die diese 
mit Bezug auf den Ort etablieren sollen, deutlich, da ja gerade der innere Zusammenhang des Ensemble Ursprung neuer Werte ist.' (1975).
Ein Bau von Luigi Snozzi bildet mit seiner rauhen, schroffen Schale einen Kontrapunkt in der Landschaft; gleichzeitig verbindet er jedoch Haus und Gelände, indem der Weg zum Haus durch das Haus weitergeführt wird und Einschnitte und Öffnungen auf die Lage antworten.
Geradezu als Glücksfall und günstige Gelegenheit, seine Theorien auf die Probe zu stellen, erwies sich Monte Carasso.
Luigi Snozzi nennt das Projekt Monte Carasso seine bisher faszinierendste Berufserfahrung. Dessen bisherige Entwicklung bestätigt seine seit langem gehegte Überzeugung, daß die beiden wichtigsten Probleme des Tessins - die Landflucht und der Verlust kultureller Identität infolge der unkontrollierten Verstädterung- durch die bisherigen defensiven Haltungen und verallgemeinernden Planungsansätze nicht bewältigt werden könnten.
Das Projekt Monte Carasso ist die Umkehrung davon: es verdankt sich der Frage nach dem 
Spezifischen dieses Ortes und der Überzeugung, daß nicht die Verstädterung schlechthin das Problem sei, sondern nur, wenn sie ohne einen qualitativ - urbanistischen Rahmen vonstatten geht.
Diese Schlußfolgerung darf über die Gegebenheiten des Tessins hinaus eine nahezu globale 
Geltung beanspruchen.
Gemäß einem 1977 verabschiedeten Zonenplan - dem Resultat eines 15 Jahre dauernden politischen Verfahrens - sollte das Dorfzentrum Monte Carasso als Kernzone und die umliegenden Dorfteile als Randzonen gelten. Dieser Einschätzung stellte sich Snozzis Plan fundamental entgegen.
Monte Carasso entstand um das Augustinerinnenkloster herum, das einzige Rennaissancekloster des Tessins: ein Komplex aus dem 16. Jahrhundert, der seit der Säkularisierung im 19. Jahrhundert arg heruntergekommen war (Einbauten, Aufstockungen, Umbauten, Abbrüche). Noch 1965 wurden wichtige Teile des Klosters abgerissen und auf dem freigewordenen Areal ein Schulprovisorium errichtet. Der Zonenplan von 1977 gab die Reste des Klosters ebenfalls zum Abbruch frei. Ein Ersatz für das provisorische Schulhaus - und andere öffentliche Nutzungen - sollten am Südostrand des Gemeindegebietes, unweit der Autobahn, entstehen. Doch war dieser Plan bei der Bewohnerschaft sehr kontrovers. Eine Bürgerinitiative legte einen Gegenvorschlag vor. Gemäß diesem waren zwar die öffentlichen Nutzungen im Dorfzentrum vorgesehen, aber dies wiederum hätte die Verlegung des Friedhofs erfordert. Angesichts dieser, auch parteipolitisch bedingt, hitzigen Kontoverse wurde Snozzi 1977 beauftragt, ein Entwicklungskonzept der Gemeinde zu skizzieren. Sein Richtplan für das Zentrum Monte Carasso wurde 1979 angenommen. Der Entwurf zum Wohnbau Verdemonte läßt erkennen, daß Snozzi sich bereits 1974 - entsprechend seinem Berufsverständis - um eine Gliederung des gesamten Gemeindegebietes bemüht hatte (Parzellenplan, Bebauungsplan mit topographischen Elementen). 
Schon damals stand für Snozzi die Wichtigkeit des ehemaligen Klosters als historisches Zentrum des Dorfes außer Frage. Dies ist auch die Prämisse des Richtplans von 1978/79. Snozzi schlug vor, die Reste des Klosters zu rekonstruieren und das Gebäude erneut zum Zentrum des Dorfes, zum öffentlichen Ort, zu machen. Es sollte die Primarschule und andere Nutzungen aufnehmen (Ausstellungsräume, Bar usw.). 
Einige weitere Elemente des Zentrumsplanes waren:

Eine Ringstraße um das Zentrum herum, die den Rahmen für eine längerfristige urbanistische Entwicklung bildet; an ihr sollen öffentliche und private Nutzungen angelagert werden. Sie soll mittels Baumreihen hervorgehoben sein.

Ein ringartiger Park um die Zentrumsgebäude herum, durch Fußwege mit der Ringstraße verbunden.

Ein Plateau südlich der Kirche, das aus der Vergrößerung des Friedhofs entstehen und den 
öffentlichen Bereich gegenüber den Wohnquartieren hervorheben soll. Snozzi sah vor, dieses Plateau durch die Turnhalle und deren vorgelagerten Spielplatz zu schaffen.

Die verbesserte Erschließung der Kirche, die bereits in früheren Jahrhunderten zwei Eingänge besessen hatte.

Die Aufhebung der allseitigen Grenzabstände: 
Neubauten sollen auf die Grenze gestellt werden, um die Straße als öffentlichen Raum wieder in ihr Recht zu setzen.

Die Absicht, eine höhere Ausnutzung zu erreichen und damit die biedere Verdörfelung zu überwinden: 
statt zweigeschossig darf nun dreigeschossig gebaut werden, in gerechtfertigten Fällen auch noch höher.

Die Verifizierung (bzw. Falsifizierung) der Baureglemente durch das Kriterium architektonischer und städtebaulicher Qualität: "Ist ein Projekt besser, als es die Reglemente zulassen, wird die Regel geändert - und nicht das Projekt."(Snozzi)

Dabei gelten ausschließlich typologische und morphologische Kriterien, aber keinerlei stilistischen oder materialmäßigen Vorgaben.


Snozzi legte seinen neuen Richtplan für das Dorfzentrum 1977 vor, 1979 wurde er angenommen. Er ermöglichte die Realisierung eines städtebaulich 
prägnanten Zentrums, dessen Elemente auf einen Zustand hin angelegt sind, wo die Gemeinde Monte Carasso ein Vielfaches der heutigen Einwohner zählen wird. Snozzi kann sich eine Stadt Monte Carasso mit dreißig - oder vierzigtausend Einwohnern vorstellen. Ziel war die Realisierung eines entwicklungsfähigen Kontextes. Die nächste Aufgabe war die Erweiterung dieser Planungsrichtlinien vom Zentrum auf das ganze Gemeindegebiet. Dies war eine langwierige und gegen die Widerstände des Kantons durchsetzende Aufgabe. 
Der gesamte Verkehrsplan (Piano viario comunale) mußte neu erarbeitet und verabschiedet werden. Snozzis erster Entwurf wurde 1980 abgelehnt; ein zweiter Entwurf, der von Snozzi und einem Verkehrsfachmann vorgelegt wurde, erhielt 1983 die Zustimmung. Der neue Richtplan konnte jedoch erst 1990 in Kraft gesetzt werden. Die von Snozzi geforderte Ausweitung der Planungsrichtlinien auf das ganze Gemeindegebiet erfolgte nach langwieriger Arbeit erst 1990. Bis dahin galt die Forderung nach dem Zonenplan von 1977, auf eine Verbreiterung der Straßen hinzuwirken. Seit 1990 besteht die die Strategie darin, die bestehenden Straßen und die typologischen Elemente des Dorfes wieder zu rekonstruieren, wobei dies nicht rückwärtsgewandt und orthodox denkmalpflegerisch zu geschehen hat, sondern mit Blick auf eine mögliche zukünftige Stadt Monte Carasso, deren Herkunft als bäuerliches Dorf in urbane Qualitäten gewendet ist.

‚Der Stadtbegriff ist heute etwas vom Schwierigsten, weil es die herkömmlichen Grenzen zwischen der Stadt und dem Land nicht mehr gibt. Wo endet Bellinzona und wo beginnt Locarno? Im Tessin spricht man deshalb schon von der Stadt Ticino, die von Bellinzona bis Locarno reicht. Wenn man nur wenig in die Zukunft blickt, gehört das Tessin ja eigentlich zur Stadt Milano – Como – Varese. Das ist die große Aufgabe heute: in einer Agglomeration urbane Situationen zu schaffen in Orten, die heute irgendwo zwischen peripher und ländlich sind. Ich bin sicher, daß Experimente wie das von Monte Carasso die einzige Möglichkeit sind, um zu verhindern, daß ein solcher Ort vom Wachstum der Stadt – und ich bin froh, daß sie wächst! – aufgefressen wird. Wenn wir es schaffen, bestehende Elemente, wie es etwa das Kloster von Monte Carasso ist, in einem solchen Gefüge aufzuwerten, können solche Orte morgen ein urbaner Kern in einer großen Stadtagglomeration sein: in der Stadt drin und nicht mehr außerhalb. Das ist das Konzept, und ich bin ziemlich sicher, daß dies die Möglichkeit ist, um in diesem Prozeß die Bedeutung der Dörfer zu retten und darüber hinaus aufzuwerten.'



Wohnbebauung Verdemonte Monte Carasso
Mit Walter von Euw Projekt 1974

Die Analyse des Ortes (Geländehöhen, Flüsse, Autobahn, ehemaliges Kloster,Parzellenstruktur) ergab die Stellung von Verdemonte längs einer Geländestufe 
und entlang dem Schuttkegel des Wildbaches Sementina. Snozzis Vorstellung einer ‚Stadtmauer' als Schutzwall gegen die Autobahn wurde schon hier entwickelt. Und galt auch später beim Entwurf es Quartiers Morenal. Die Ausführung von Verdemonte erfolgte durch einen Generalunternehmer und ohne Begleitung durch das Studio Snozzi, wovon vor allem 
die Ebene der Baulichen Details und der Materialien zeugt. Vor einige Zeit wurde der Bau aufgestockt, wobei Snozzis Empfehlung, die Aufstockung als leichte Metallkonstruktion zu realisieren, nicht befolgt wurde. Der Entwurf ist eine Weiterentwicklung der Wohntypologie des Projektes für Celerina. Sind dort die Wohntürme gegenüber der Längszeile abgelöst, so sind sie hier als hervortretende Gebäudeköpfe behandelt. Da 
sie in den ‚rücken' eingearbeitet sind, entsteht eine Transparenz in Querrichtung. Die wichtigen Räume sind zum Dorf Monte Carasso hin – und von der Autobahn abgewendet. Die Beziehung dieses Entwurfs zu der Strategie, der heute als 'Modellfall Monte Carasso' weltweite Aufmerksamkeit zuteil wird, ist evident. Dies, obgleich Snozzi selber damals noch nichts ahnen konnte von der Bedeutung, die das Dorf Monte Carasso für seine Arbeiten haben würde. Gerade dadurch bestätigt der Verdemonte – Entwurf die Richtigkeit 
dessen, was Snozzi vom architektonischen Entwurf fordert: daß er nicht nur ein Mittel zur baulichen Modifikation der Umgebung sei, sondern zuallererst ein Mittel zur Erkenntnis der Wirklichkeit.



Haus des Bürgermeisters Guidotti Monte Carasso
1983 - 84

Einer der ersten Bauten Snozzis im Zusammenhang mit dem Projekt ‚Monte Carasso' war das Haus für den Bürgermeister Guidotti. Sein Standort war die Stelle, wo nach Snozzis Entwurf die Richtungsänderung der Ringstraße vorgesehen war (deren Bau erfolgte nach 
dem des Hauses). Das Grundstück war ein leicht abfallender Rebgarten in einem Dorfteil mit schmalen und langen Parzellen. An dieser besonderen, von verschiedenen Seiten einsehbaren Stelle entschied sich Snozzi, ein turmähnliches Haus zu bauen, das infolge 
seiner Prominenz als Angelpunkt fungieren sollte. Mit den sonst erlaubten drei Geschossen wäre dieses Ziel nicht erreicht worden. Das Haus ist viergeschossig und nach Snozzis Worten die notwendige Ausnahme von der Regel, um mit dem Entwurf hier richtig reagieren zu können.
Es ist ein Baukörper von sehr geringer Bautiefe (6.0 m) und mit einer Dachterrasse. Die 
Gartenumfriedung führt zu einer gut 25 Meter vom Haus entfernten Pergola. Die Grundrisse sind eher kleinmaßstäblich, auch dies mit dem Grund: Snozzi bezweckte damit, in der Grundrißordnung ein abstrahiertes Bild der Rebzeilen zu schaffen, das such nachdem allmählich Verschwinden der Rebstöcke künftige Generation an die ursprüngliche Bedeutung 
dieses Ortes erinnern soll (Transformation von Elementen). Ausführung: geschalter Sichtbeton.



Haus Rapetti Monte Carasso
Mit Gustavo Groisman Umbau Projekt 1988


Es gibt immer weniger Bauten in Monte Carasso – Abbild eines geschichtlichen und gesellschaftlichen Prozesses von mindestens gesamteuropäischer Größenordnung. Das neue Reglement von Monte Carasso erlaubt es, dieser Dynamik Rechnung zu tragen und aus Ställen Wohnhäuser zu machen. Es gibt nur eine Bedingung, die dabei einzuhalten ist: nein, 
nicht die Bewahrung des 'bäuerlichen Charakters' eines solchen Hauses, sondern die Beibehaltung der tradierten Parzellenstruktur. Die Tierhaltung hatte in diesem Dorf zu schmalen Riemenparzellen geführt. Deren Erhaltung ist für Snozzi die zentrale Bedingung. 
Die Innenbreite des Hauses beträgt an der schmalen Stelle nur 2.15 m, an der breitesten ca. 3.50 m. Doch es erwies sich als möglich, innerhalb dieser Streifenparzellen - Ordnung einen Stall umzubauen und durch Aufstockung zu einem brauchbaren kleinen Wohnhaus zu machen. Snozzi zeichnete für den Bauherren ein Planblatt im Maßstab 1:50 Grundrisse, 
Schnitte und Fassaden. Die Ausführung besorgte der Bauherr selbst.



Doppelhaus Guidotti Monte Carasso
Mit Claudio Buetti 1989 - 91


Dieses Doppelhaus visualisiert sehr treffend das Prinzip der Verdichtung, ein Hauptelement von Snozzis Strategie für Monte Carasso. Nach dem alten Baureglement (allseitiger Grenzabstand) wäre auf diesem Grundstück nur ein sehr enges zweigeschossiges Haus möglich gewesen, nach dem neuen Reglement ist es ein bis an die Straßenlinie gerücktes Doppelhaus mit drei Stockwerken (ursprünglich waren sogar drei Hauseinheiten geplant). Das Erdgeschoß ist gegenüber der Straße leicht erhöht. 
Es enthält neben dem Hauseingang ein Arbeits - oder Gästezimmer mit WC. Im 1. Obergeschoß liegen Wohnraum und Küche/Eßplatz, im 2. Obergeschoß je drei Schlafzimmer. Man gelangt zu den Hauseingängen von einem Portikus auf der Gartenseite her, aber nicht außenherum, sondern nachdem man unter dem Haus durchgegangen ist. Die gedeckte Halle (Autoabstellplatz und Zugang) gehört so zugleich dem Straßenraum und dem Haus an, was den Gedanken an die Stadt verrät: 
Überlagerung von Privatem und Öffentlichem. Folgerichtig sind die beiden Hausteile nicht gespiegelt, sondern gereiht: aus dem Doppelhaus könnte dereinst eine Zeile werden.


Haus d'Andrea Monte Carasso
Mit Giuliano Mazzi Umbau 1993


Ein typisches Wohnhaus aus der Nachkriegszeit hat durch Umbau und Aufstockung einen ganz neuen Charakter bekommen. Das Haus, auf einem Eckgrundstück gebaut, wandelte sich durch den Umbau von einem beengten ‚Landhaus ohne Land' zu einer stolzen Stadtvilla von Loos'scher Prägnanz. Das Walmach wurde entfernt und das Haus über einem Teil des ersten Obergeschosses aufgestockt. Die Aufstockung, eine eigenständige Kleinwohnung, ist flach gedeckt und besitzt eine gegen Süden orientierte Terrasse. Im Erdgeschoß wurde ein großer Wohnraum geschaffen (mit Küchenblock und Eßplatz), der von der Straße zum Garten hin umorientiert wurde. Der Garten selber, ein schmaler Streifen, wurde gegen die Straße durch eine 2.50 m hohe Mauer abgeschirmt, hinter der sich nun ein Schwimmbecken erstreckt. Er gehört nun zu beiden anstoßenden Häusern. Im Erdgeschoß wurden aus den liegenden Fenstern bis zum Boden reichende Öffnungen. Die Klappläden wurden am ganzen Haus entfernt und Rolljalousien montiert. Für Snozzi war die Modifikation dieses – wie er sagt: eigentlich banalen – Hauses eine Bestätigung seiner Erkenntnis, daß im Bestehenden immer Qualitäten aufzuspüren und herauszukristallisieren sind.


Biographie

1932 geboren am 29. Juli in Mendrisio,
Schweiz
1952-1957 Architekturstudium an der
Eidgenössischen Technischen 
Hochschule Zürich (ETH)
1957-1958 Praktika bei den Architekten Peppo
Brivio (Locarno) und Rino Tami
(Lugano)
1958 Eröffnung des eigenen
Architekturbüros in Locarno
1962-1971 Bürogemeinschaft mit Livio Vacchini
1962-1974 Mitglied der Heimatschutzkommission
"Bellezze Naturali" des Kantons 
Tessin; u.a. Erarbeitung von 
Gegenvorschlägen
1971 Mitbegründer des Partitio Socialista
Autonomo (PSA)
1973-1975 Gastdozent für architektonisches
Entwerfen an der ETH Zürich
1975-1988 Zweites Architekturbüro in Zürich (mit 
Bruno Jenni)
1980-1982 Gastdozent an der Ecole
Polytechnique Fédérale, Lausanne
(EPFL)
1983 Wird Ehrenmitglied des "Bundes
Deutscher Architekten" BDA
1984-1985 Gastdozent an der EPFL
1985 Beton Architekturpreis
1985-1997 Ordentlicher Professor für
Architektur
an der EPFL
1986-1988 Vorsitzender es von Johannes
Voggenhuber geschaffenen
"Gestaltungsbeirats" in Salzburg
1987 Gastprofessor an der SCI-ARC
(Southern California Instiute of
Architecture), Vico Morcote (Kanton 
Tessin)
1988 Eröffnung eines Architekturbüros in
Lausanne
1993 Beton-Architekturpreis. Monte Carasso 
erhält „Wakker-Preis„ für vorbildlichen 
Heimatschutz zugesprochen. 
Architekturpreis "Prinz of Wales" der 
Harvard University, Cambridge, 
Massachusetts
1994 Mitglied der Akademie der Künste, 
Berlin
Ehrenmitglied des Schweizerischen 
Ingenieur - und Architekten - Vereins 
SIA
1995 Stiftungsratvorsitzender der SCI-ARC, 
Vico Morcote
1996 Schweizer Beitrag an der Architektur-
Biennale in Venedig



Quellen:
Luigi Snozzi Claude Lichtenstein Birkhäuser-Verlag Basel 
Berlin Boston 1997
Luigi Snozzi – Auf den Spuren des Ortes. Ein Gespräch in 
und um Monte Carasso Museum für Gestaltung Zürich 
Schriftenreihe Nr. 21 1996
Neue Tessiner Architektur Frank Werner Sabine Schneider 
Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1991


Jens Kauder Tazalika te Reh

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